Skip to content

Alles gut bei der Jugend

Pornografie wird gerne benannt, wenn es darum geht Zensur auszuüben. Jetzt wächst grade eine Generation auf die mit 11 Jahren und ihrem Smartphone Pornos schauen kann. Welche Effekte hat das?
Ich nehme jetzt mal die Studie von 2013:  Jugendsexualität im Internetzeitalter
Eine qualitative Studie zu sozialen und sexuellen Beziehungen von Jugendlichen

„Sie sehen Pornos mit 12, haben Sex mit 13, sind schwanger mit 14“– so titelte das Magazin der Süddeutschen Zeitung 2009. Das ist nur ein Beispiel für die aktuell so verbreitete mediale Skandalisierung der Jugendsexualität: Unter Schlagworten wie „Generation Porno“ oder „Sexualisierung der Jugend“ werden Ängste geschürt und Bilder der sexuellen Verelendung von Jugendlichen transportiert.
Dabei sprechen die vorliegenden empirischen Jugendstudien eine ganz andere Sprache:
Die Daten des Statistischen Bundesamtes etwa zeigen, dass die Schwangerschaftsraten
bei minderjährigen Frauen seit rund zehn Jahren sinken und dass sie sich im internatio-
nalen Vergleich auf niedrigem Niveau bewegen.

Die seit den 1980er-Jahren veröffentlichten repräsentativen Jugendstudien der BZgA dokumentieren eine kontinuierliche Verbesserung des Verhütungsverhaltens.
Weder die Längsschnittstudien der BZgA noch andere empirische Untersuchungen in Deutschland geben Hinweise auf eine „sexuelle Verwahrlosung“:
Das Alter beim ersten Koitus hat sich in den letzten zehn Jahren nur geringfügig verändert und der verantwortliche Umgang mit der eigenen Sexualität, wie er an der Sorgfalt des Verhütungsverhaltens abzulesen ist, ist in den letzten zehn Jahren eher noch stärker geworden.

Spaß oder Bedrängnis? – Sexuelle Handlungen im Internet
Urszula Martyniuk

Fazit
Unsere Interviews zeigen, dass bei Jugendlichen ausschließlich sexuelle Kontakte im oder über das Internet eher selten sind. Die große Mehrheit verschickt oder postet keine Nacktbilder, weil ihnen die damit zusammenhängenden Risiken bewusst sind.
Ähnlich wie Befragte in anderen Untersuchungen kennzeichnen viele es als dumm, gefährlich, peinlich und unbehaglich. Nur 6 % unserer Befragten nutzen das Sexting. Unsere Befunde zu ihrer Motivation scheinen das bisherige Wissen zu bestätigen: Die Fotos werden als Sex-Geschenke an den Partner bzw. die Partnerin oder als Austauschobjekt beim Flirten genutzt.

Auch Cybersex, also sexuelle Interaktion im engeren Sinne, gehört für die meisten befragten Jugendlichen zu den sexuellen Möglichkeiten und Angeboten des Internets, die man ausprobieren kann, aber nicht muss. In unserer Studie haben 13 % der Befragten Erfahrung mit Online-Sex gemacht.

Leider mangelt es an Studien zu Cybersex bei Jugendlichen, im Vergleich zu den Prävalenzdaten bei Erwachsenen sind die Raten in unserer Befragung eher niedrig. Die Motivation für diejenigen, die sich schon auf solche Experimente eingelassen haben, ist Neugier, nicht sexuelle Bedürftigkeit. Festgehalten werden sollte, dass nur wenige junge Frauen und Männer diese Art der Sexualität ansprechend finden, sie aber andererseits auch ganz undramatisch beschreiben.

Im Großen und Ganzen sind besorgte Eltern, ein größeres Problem und Hindernis, bei der gesunden Entwicklung der Kinder, als die Jugendlichen destruktiv mit dem Netz und der Pornografie umgehen.

Dafür das bei uns an den Schulen kaum realitätsnaher zufriedenheitsfördernder Sexalunterricht vermittelt wird, schlagen sich die Kinder und Jugendlichen ganz gut, durch ihr vernünftiges Handeln.

Der Alarmismus mancher Eltern scheint sich aus dem eigenen Mangel an zufriedenstellender Sexualität zu speisen. Das gilt auch für die Vorstellung das Jungen im Alter von 7 Jahren beim Schwimmunterricht geil werden, wenn das muslimische Mädchen im selben Alter mitschwimmt. Hier wird die eigene sexuelle Vorstellungen der Eltern auf das Kind übertragen. Diese Sexualisierung der Kinder ist pervers.

Nun zum Fazit des Pornokonsums bei Mädchen.

Auf den ersten Blick beeindrucken die Interviews durch das hohe Desinteresse der
meisten jungen Frauen an Pornografie. Viele Mädchen möchten die Auseinandersetzung mit Pornografie in diesem Alter lieber vermeiden. Der Blick, den sie auf die Pornografie werfen, ist ein scheuer Blick. Dafür finden wir verschiedene Ursachen:

• Aus einer interaktionistischen Perspektive des „doing gender“ gedacht, zeigt
sich, dass für Mädchen heutzutage das Desinteresse an Pornografie die weibliche
Geschlechtsidentität stabilisiert und stützt, während für Jungen gerade das
Gegenteil der Fall ist: Ihnen dient das offensive Interesse an Pornografie zur
Stützung und Affirmation der sich ausbildenden männlichen heterosexuellen
Geschlechtsidentität (vgl. Kapitel 4.2).

• Darüber hinaus ist das Angebot auf die männliche Zielgruppe zugeschnitten
und für sie produziert. Da sich Mädchen in dem sich schnell verändernden
Pornoangebot des Internets oft nicht sehr gut auskennen, finden sie nicht so
ohne Weiteres die Formen von pornografischen Filmen oder Bildern, die für sie
möglicherweise attraktiv oder erregend sein könnten.

Ein öffentliches Bekenntnis zu einer Pro-Porno-Position setzt Mädchen in bestimmten
sozialen Gruppen dem Risiko sozialer Abwertung aus. Viel gravierender sind jedoch die mit einem Interesse an Pornografie verbundenen intrapsychischen und interpersonellen Konflikte um die weibliche Geschlechtsrolle, weil sowohl klassische Weiblichkeitsideale der Gefühls- und Beziehungsorientierung von Frauen als auch feministische Ideale herausgefordert und infrage gestellt werden.

Es gibt also viele gute Gründe, die einem aktiven Interesse von jungen Frauen an Pornografie im Wege stehen. Deshalb wird erst auf den zweiten Blick die Vielfalt des Umgangs deutlich und nur im Rahmen einer sehr intimen Gesprächssituation, wie sie in qualitativen Interviews gegeben ist.

Hier können die jungen Frauen das Interesse und die Erregung zur Sprache bringen, die sie im Kontakt mit Pornografie auch erleben. Unsere Ergebnisse dokumentieren eine sehr viel größere Heterogenität der Standpunkte und Erfahrungen junger Frauen mit Pornografie als andere Studien.
In einer lebensverlaufsbezogenen Perspektive kann man davon ausgehen, dass der Anteil der Frauen, die sich für Pornografie interessieren und diese lustvoll konsumieren, mit steigender sexueller Erfahrung größer werden wird.

Ändert der Pornokonsum bei Jungen nun den Sex oder das Frauenbild, wie es die Feministinnen meinen?

Einfluss des Pornografiekonsums auf sexuelle Praktiken und Frauenbilder
Der wählerische Umgang mit der Pornografie spricht dafür, dass selbst der häufige Konsum von Pornografie das Muster des sexuellen Verlangens so gut wie nicht beeinflusst.

Nun soll untersucht werden, ob und wie der Pornografiekonsum nach Ansicht der jungen Männer ihre sexuellen Praktiken beeinflusst. Von den 64 Jungen, die mehr als sporadische Pornoerfahrung haben (Rating 2 bis 4, vgl.Tabelle 18), sagt eine klare Mehrheit, dass die pornografischen Filme praktische Anregungen geben können und sie diese in ihrem Sexualleben auch ausprobieren.
Diese Anregungen beziehen sich ausschließlich auf sexuelle Mainstream-Praktiken, vor allem auf Koitusstellungen (vgl. Dieter, 18), seltener auf Stimulationspraktiken
(Zärtlichkeit, oraler Sex, z. B. Rüdiger, 17, und Andreas, 17).

Die Grenzen dieser Experimentierfreude markiert schon der Analverkehr (zu dem sich nur ein Befragter anregen ließ, nämlich Kevin, 18). Auf die Idee, dass ein „Dreier“ reizvoll sein könnte, hat der Pornografiekonsum einige wenige Jungen gebracht, sie haben ihr Interesse daran bislang aber in ihrer Fantasie gehalten.

Einige Jungen, die noch ohne Koituserfahrung sind, hoffen, durch das Ansehen von Sexfilmen auf das „erste Mal“ ein wenig besser vorbereitet zu sein (zum Beispiel Dschamal, 18). Einigkeit bestehtdarin, dass sexuelle Kompetenzen durch reale Erfahrungen erworben werden und die Pornografie hierfür ein begrenztes Hilfsmittel ist.

 

Ist Sex im Porno wirklichkeitsnah?
Im Hinblick auf das Geschlechterverhältnis schätzen junge Männer die Pornografie
also durch die Bank als nicht nahe an ihrer Wirklichkeit ein. Das gilt ebenfalls für
die im Porno dargestellte Sexualität.

Fazit
Jungen konsumieren Pornografie heute in der Regel im Internet. Die Pornowelt ist
für sie strikt zweigeteilt. Sie unterscheiden klar zwischen „normalen“ und „erregenden“
Stücken einerseits, sowie „perversen“ und „abtörnenden“ andererseits.

Erstere nutzen sie weitaus am häufigsten, vor allem allein und häufig im Zusammenhang mit Masturbation. Letztere nutzen sie im homosozialen Kontext zur derben Unterhaltung und manchmal mit machohaftem Gehabe. Zusammen mit der Partnerin werden Pornofilme gelegentlich zur gemeinsamen Stimulation und auf der Suche nach einvernehmlicher Variation ihrer Sexualpraxis angesehen.

Insgesamt ist der Umgang junger Männer mit Pornografie wählerisch, er folgt ihren Vorlieben, die meist konventionell und heterozentriert sind. Einen Einfluss hat der Pornografiekonsum auf ihre Bereitschaft, neue Koitusstellungen und oralen Sex real oder in der Fantasie auszuprobieren. Eine kritische Sicht auf das in der herkömmlichen Pornografie produzierte Männer- und Frauenbild ist bei jungen Männern sehr verbreitet, auch bei denjenigen mit hohem Pornografiekonsum.

Die Internetpornografie ersetzt die herkömmlichen Onanievorlagen (das ist vermutlich ihr größter Effekt), ohne die Masturbationsfrequenz zu erhöhen.

Jugendliche unterscheiden klar zwischen ihrer realen und der virtuellen sexuellen Welt, sie wollen die eine nicht durch die andere ersetzen. Sie grenzen sich kritisch vom in der Pornografie vermittelten Frauenbild ab und sehen sich nicht in der Gefahr, es zu übernehmen. Ihr Umgang mit Pornografie ist unaufgeregter als die öffentliche Diskussion darüber.

Natürlich schließe ich mich den Fachleuten an und bin für qualifizierten realitätsnahen Sexunterricht an Schulen. Die Ursache warum Frauen im reiferen Alter den Sex als besser empfinden, liegt an den Erfahrungen und dem Erlernen, was gefällt und gut tut, wie man sich entspannt und wo Druck fehl am Platz ist. Somit ist es ehr allarmierend das eine gewisse Stigmatisierung in der PeerGroup bei jugendlichen Mädchen besteht wo doch die Kommunikation über Sexualität und auch Porn Inhalte Anknüpfungspunkt sein kann.
Das Fernhalten von dem Erlernen der eigenen gesunden Sexualität, wie es „besorgte Eltern“ betreiben indem sie die Kinder mit dem Thema nicht in Berührung kommen lassen wollen, schadet also.

Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß von der Hochschule Merseburg, Im Interview über „besorgte Eltern“ :

 Download Studie als PDF:
https://publikationen.sexualaufklaerung.de/cgi-sub/fetch.php?id=796

One Comment

  1. […] Die Umfrage die der amerikanische Wissenschaftler vorstellt und die in den USA, mit US-Kindern gemacht wurde gibt es auch für Deutschland und diese ist weit weniger „alarmierend“ als hier dargestellt. Das Fazit der Forscher ist weit moderater und zeigt, dass die Kinder und Jugendlichen sehr wohl gelernt haben zu trennen zwischen Porn und Reallive. […]

Kommentar verfassen