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Auf den Stuhl

Da unsere bakterielle Zusammensetzung, auf unsere Gene schließen lässt und die Natur eine möglichst guten genetischen Mix anstrebt, fühlt man sich meist zu der Person hingezogen, die besonders weit von der eigenen genetischen Zusammensetzung entfernt ist. Zumindest ist das ein Faktor. Geruch ist also natürlich ein Lustkiller oder ein Lustbereiter. Diese Tatsache ist so bekannt, das sie kulturellen Einfluss genommen hat, zumindest auf einige Redewendungen: Ich kann den nicht Riechen oder Die Chemie muss stimmen. Ob wir uns zu jemandem hingezogen fühlen ihn oder sie attraktiv oder auch nur nett, hängt natürlich von sehr viel mehr Faktoren und Kontexten ab, als vom ausgewählten Parfüm,  der Geruch ist nur ein sehr begrenzter und kleiner Teil, der von anderen Sinneseindrücken überstimmt werden kann. Trotzdem ist das Experiment von Michael Kirk-Smith so bahnbrechend gewesen, dass ich es hier erwähne:

Attraktiver Schweiß

Die Patienten, die das Wartezimmer der Zahnklinik an der Birmingham University in England betraten, ahnten nicht, dass sie an einem wissenschaftlichen Experiment teilnahmen. Tatsächlich hatte Michael Kirk-Smith morgens in dem noch leeren Wartezimmer den mittleren Stuhl gegenüber der Theke genau fünf Sekunden mit einem Nebel aus Androstenon besprüht. Androstenon ist ein Stoff, den Männer im Achselschweiß absondern. Kirk-Smith glaubte, dass er Frauen anzieht. Er wollte mit seinem Versuch Psychologen widerlegen, die seine Annahme für Unsinn erklärten, weil der Mensch viel zu hoch entwickelt für solche primitiven Effekte sei.

Jedenfalls musste eine Praxishelferin, die den Zweck des 1980 veröffentlichten Experiments nicht kannte, den ganzen Tag notieren, auf welche Stühle sich Männer setzten, und auf welche Frauen. Ohne Sprühaktion hatte sich vier Tage lang keine von 67 Patientinnen auf den Stuhl gesetzt. Während der Sprühaktion hingegen war der Stuhl plötzlich bei den Praxisbesucherinnen beliebt. Männer hingegen schien das Androstenon eher abzustoßen. Kirk-Smiths Annahme hatte sich als richtig erwiesen. Inzwischen weiß man, dass auch Pheromone bei der Partnerwahl des Menschen eine Rolle spielen. Die Wirkung sei allerdings schwach und werde wahrscheinlich von vielen Faktoren überdeckt. Dubiose Duftwässer Marke »Willenlos« dürften also kaum funktionieren.

http://www.d-e-zimmer.de/PDF/1987riechen.pdf

Der englische Forscher Michael Kirk-Smith konnte mit zwei Effekten aufwarten, die, wenn bestätigt, für sich sprächen. Er zeigte seinen Versuchspersonen Fotos von Männern, Frauen, Tieren und Häusern. Alle trugen sie dabei eine Operationsmaske. Ohne daß sie es wußten oder merkten, war sie bei einigen mit Spuren von Androstenol imprägniert. Und siehe da, wer Androstenol geatmet hatte, fand die Frauen auf den Fotos sexyer; und alle Menschen wärmer, freundlicher, interessanter. Androstenolgeruch scheint uns erotisch unternehmender und überhaupt menschenzugewandter zu machen. In einem weiteren Versuch besprühte KirkSmith einige Stühle in einem leeren Wartezimmer unmerklich mit Androstenol und beobachtete, wohin sich die Hereinkommenden setzten. Siehe da, die Frauen setzten sich mit Vorliebe auf die androstenolbesprengten Stühle.

Geruchsmoleküle leiten  Ameisen. Das Spermien sich an Geruchsmolekülen orientieren ist jedoch wiederlegt.

Der Geruch ist nur ein Faktor von vielen, bei der Partnerwahl. Der Prof. Karl Grammer ist Attraktivitätsforscher und kann noch viele weitere Nennen. Wer grade auf Partnersuche ist, sollte sich die unterbewussten Abläufe jedoch nicht zu sehr zu Herzen nehmen und sie nicht in die Partnersuche einfließen lassen. Mein privater Tipp: Auf die Quantität neuer Bekanntschaften setzen also die Anzahl erhöhen und das unterbewusst, natürlich Ablaufende dabei belassen.

 

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