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Missbrauchsbandbreite

Sexualisierte Gewalt sollte hier, in meiner kleinen privaten Ecke, eigentlich gar nicht Thema sein, ebenso wenig, wie Boulevardthemen: Welcher C-Promi mit wem zusammen ist oder nicht, wer anzügliche Nacktfotos von sich veröffentlicht hat oder einen Porno gedreht, welche öffentliche Person etwas zu dem eigenen Sexleben, in einem Interview, erzählte usw.

Gendergedöns, Maskulismus und Feminismus als Ideologie, mit festem Feindbild ist mir zu undynamisch, lieber nehme ich einzelne Argumente aus beiden Lagern, als eine Seite einzunehmen. Auch dort möchte ich mich eigentlich gar nicht einmischen, das gibt nur böses Blut.

Missbrauch hat nichts mit Lust zu tun, sondern mit Schmerz und Leid, den unguten unschönen Gefühlen und Erlebnissen auch auf der Seite des Täters, geht es mehr um Geilheit und Trieb als um etwas Lustvolles.

Den Fokus auf die unschönen Dinge zu legen erzeugt oft Fassungslosigkeit, Wut und Ärger oder Frustration, die Suche nach Fehlern oder dem Unguten, Negativen, dem Problem schadet dem Frohsinn, der Leichtigkeit – frei nach dem Motto: Es gibt Menschen die so lange Kopfschüttelnd über ihrer Suppe sitzen, bis ein Haar hinein fällt.

Promis sind unwichtig. Missbrauch und Vergewaltigung haben nichts, mit der konstruktiven Gestaltung des eigenen Sexlebens zu tun, warum sich auf dieses Umfangreiche nicht enden wollende Thema einlassen?

Luhmann setzte sich mit seinen Kollegen zusammen und sie fragten sich, was beschäftigt uns Momentan, welche gesellschaftlichen Themen oder welches Thema treibt uns um? Bei der Zusammenstellung sind sie zu dem Ergebnis gekommen, das alles was sie um treibt durch Medien an sie herangetragen wurde.

„alles, was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“

Hagen Rether hat versucht mit dem Begriff Avatar zu verdeutlichen das nicht Ackermann, Strauss-Kahn, Merkel, Zumwinkel die Bösen oder das Problem sind, es sind Avatare, auf die das als verwerflich beurteilte Handeln, projiziert werden kann, wohinter eigentlich ein gesellschaftliches strukturelles Problem existiert und kein singuläres individuelles der Avatare, der öffentlichen Personen. Volker Pispers nannte es die Einzeltätertheorie und nahm neben Hitler auch den einzelnen Polier der verantwortlich sein sollte, für den Einbruch des Stadtarchivs in Köln, als Beispiel.

Es ist einfacher die Avatare zu verantworten, diese als Einzelfall abzutun und sich über diese einzelnen, wohl irgendwie unmoralischen oder bösen Menschen, aufzuregen.

Was aus diesen zwei Erkenntnissen folgt ist nicht auf den medialen MainstreamZug aufzuspringen. Zipras, Trump, Böhmermann sind Avatare und sollten nur die Aufhänger sein, nicht die die man aufhängt. Übermittler der Botschaft – so wie Flüchtlinge nicht schlecht oder böse oder ungut sind, sondern nur den Hinweis zu einer Debatte um Integration, Bildung, organisierte Zuwanderung, Umgang mit Straftaten und Wirtschaft führen sollten.

Aktuelle Avatare, als dieser Text erschien, sind Gina-Lisa Lohfink und der CSU-Abgeordnete Michael Brückner.

Besser, als Frau, Nachts nicht alleine nach Hause gehen, es könnte ja immer mal einer aus dem Gebüsch springen und einem was antun.

Wer mit diesen Gedanken durchs Leben geht, der nimmt sich seine Freiheit zur Unbeschwertheit und schränkt sich selbst, in seinen Handlungen, ein. Die gefühlte Gefahr und Bedrohung hat leider häufig nichts mit der realen zu tun.

Das diese Bedenken fast unberechtigt sind, zeigen Zahlen zu Vergewaltigungen und Morden. Die Wahrscheinlichkeit von einem Bekannten aus dem sozialen Umfeld zum Sex genötigt zu werden ist weitaus höher als Opfer, des Mannes aus dem Gebüsch zu werden. Bei einem Mord war es mit einer Wahrscheinlichkeit von 80% jemand aus dem näheren sozialen Umfeld oder eben der Partner.

Sobald jemand von Vergewaltigung spricht hat man das Schema: Mann übt sexuelle Gewalt gegen Frau aus, im Kopf.

Die Welt ist, nun auch dort, erschreckend bunt:

Wer denkt bei sexueller Gewalt schon an ein minderjähriges Mädchen, das ihrem kleineren Bruder Dinge rektal einführt?

Wer geht vom sexuellen Missbrauch der Mutter, gegenüber ihrem Sohn aus?

Die erste Annahme, bei der Frage wer Täter und Opfer ist, ist nicht die psychische Gewalt die eine Ehefrau auf ihren Mann ausüben kann und ihn so nötigen.

Die Tatsache das es das gibt, sagt nun noch nichts über die Häufigkeiten aus. Wissenschaftlich ist das nicht. Einzelfälle mit vermuteter Dunkelziffer. Geschlechts- und Alters-unabhängig kann und muss man aber sagen das Täterinnen vorher fast selbst immer Opfer waren. Eltern die ihre Kinder schlagen wurden fast immer auch selbst in ihrer Kindheit geschlagen. Dazu gab es in Österreich mal eine „Werbekampagne“ die ich leider grade nicht wieder finde.

Es ist nicht der degenerierte Perverse, der für sich stehende Psychopath, der Mensch ohne Emotion und empathisches Vermögen [wie Scheldon Cooper versucht ihn zu spielen] es sind immer auch die sozialen Strukturen die ihn umgeben und Formen. Dort kann man ja noch von Krankheit sprechen und den Schwachen und Kranken gilt es zu helfen.

In den vergangenen Jahren sind Priester auffällig geworden und auch schon mal Jugendtrainer oder die Pädagogen, dabei ist nicht klar ob die Berichterstattung oder die realen Fälle steigen.

Eine Häufung von dokumentierten Übergriffen bedeutet nicht zugleich auch einen Anstieg dieser, es kann sich einfach das öffentliche Bewusstsein geändert haben und damit die Bereitschaft zur Anzeige, bei den Betroffenen.

Wer nicht grade als Therapeut oder im Sozialwesen tätig ist, der wird hoffentlich kaum Berührungspunkte mit den Themen haben. Mir ist nur wichtig darauf hinzuweisen, wie weit die Bandbreite sein kann um einem Tunnelblick und das Eindimensionale zu vermeiden. Tellerrand halt.

Leider kann man das Thema sexuelle Gewalt nicht abschließend behandeln, weil es so vielschichtig ist. Ebenso wie die Fähigkeit negative Erlebnisse zu verarbeiten und in das weitere glückliche Leben zu integrieren. Ein und das selbe Erlebnis kann ganz unterschiedlich auf Personen wirken, so ist eine echte Schadensbemessung oder viel mehr Einflussbemessung, auf die oder den Betroffenen kaum möglich. Bei der juristischen Bewertung solcher Fälle, wird es dann besonders abstrus und unfair.

Kinder aus problematischen Familien kommen manchmal ins Heim, was eine tatsächliche Verbesserung für sie bedeutet, da heute Heime anders geführt werden als noch vor 40 Jahren.

Doch auch für die dort arbeitenden Sozialarbeiter stellt sich die Sexualerziehungsfrage und die der „richtigen“ Nähe und Distanz. Gut das auch auf diesem Feld Forschung betrieben wird.

Aus: Sexualität nicht tabuisieren

„Kinder und Jugendliche haben einen Anspruch auf Sexualität und Entwicklung“, erklärt Klaus Wolf. Das Thema zu tabuisieren sei falsch. „Sonst haben sie niemanden, mit dem sie darüber reden können.“ Der Forscher nennt auch eine erschreckende Zahl: Jugendliche, die schwul oder lesbisch sind, und niemanden haben, mit dem sie darüber sprechen können, begehen bis zu fünfmal häufiger Suizid.

Fachtagung Sexualität und Heimerziehung

Besonders hoch kochen die Emotionen immer, wenn Kinder involviert sind:

Tsokos erkannte das strukturelle Problem der Institutionen aus Eltern, Ärzteschaft, Ämtern und „sozialen“ Einrichtungen.

 

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