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Sexualbegleitung Zärtlichkeiten für Alle

Das Thema steht schon was länger auf meiner gedanklichen Liste: Sexualität und Behinderung. Leider habe ich kaum Anknüpfungspunkte, außer einer Sichtweise die mir mal jemand mitteilte: „Wir sprechen immer von Inklusion und Integration, dabei findet das doch faktisch nicht statt. Es gibt extra Kindergärten und extra Schulen, für Behinderte und extra Arbeitsplätze wo ist das bitte Integration, wenn die alle separiert werden? “

Sozialarbeiter und Pfleger versuchen durch Singletreffs, Menschen die in einer ähnlichen Situation sind zusammen zu bringen. Ähnliche Situation meint, eine körperliche oder geistige Einschränkung haben oder eben auch in einem Heim leben. Auch hier bleiben Menschen, mit einer Einschränkung, im Grunde unter sich.

Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung MBF

Moralische Grenzen mag der Geschäftsleiter nicht ziehen. Für ihn geht es auch in Ordnung, wenn ein Mensch mit Behinderung den Dienst einer Sexualassistentin in Anspruch nimmt. «Eine partnerschaftliche Beziehung können viele unsere Klienten nicht leben. Wenn sie die Sexualität ausleben wollen, ist dies eine Alternative.» Hier bietet die Stiftung auch Hand und begleitet Klienten, so sie dies wünschen. Besuche bei Prostituierten «werden toleriert, aber nicht unterstützt».

Aber gut auch die Pflege und Betreuung entwickelt sich weiter. Das Heimleben generell ist ein wachsender Sektor, zwar mehr für die Alten aber da wo der Bedarf ist rücken auch die Erkenntnisse der Sozialarbeit nach.

Die Alten- und Behindertenpflege wird mehrheitlich von den Verwandten geleistet und nicht in Heimen. Wie ermögliche ich nun, meiner 20 Jährigen Tochter oder meinem 21 Jährigen Sohn, Sexualität? Schaue ich mich nach einer Sexarbeiterin um, die mir einfühlsam erscheint? Wäre ich betroffener Vater, würde ich mich erst in eine Selbsthilfegruppe, für pflegende Angehörige setzen und dort nachfragen, zu welchen Lösungen andere gekommen sind.

Oder aber ich schaue mich nach einer Sexualbegleiterin um. Was das ist und was die macht erklärt sich in diesem Beitrag:

Ein Grundbedürfnis wie Essen und Trinken

Ein Jurist hob hervor, dass Sexualität zur Freiheit der Persönlichkeitsentfaltung gehört. Er wies auf die Unverletzlichkeit der Wohnung hin, die in Pflegeeinrichtungen häufiger übergangen werde. Auch wer im Heim wohne, dürfe sich dort sexuell frei entfalten und auf seiner Privatsphäre bestehen, solange keine verbotenen sexuellen Handlungen vorgenommen werden.

Sexualbegleiterin Stephanie Klee kämpft in ihrem Alltag mit teils gegensätzlichen Auffassungen von Betreuern, Pflegenden und Angehörigen, wenn es um das Ausleben sexueller Bedürfnisse ihrer Klienten geht. Sexualität im Alter habe viel mit Intimität, Krankheiten und Zerbrechlichkeit zu tun, sei aber ein Grundbedürfnis wie Arbeiten, Essen und Trinken.

Praktische Lösungen finden

„Aber wir sollten uns im Klaren darüber sein, dass Sexualität zum Leben gehört – also auch zum Leben in einem Altenheim“, sagt Contilia-Geschäftsführer Thomas Behler. Wie die sexuellen Wünsche der Bewohner befriedigt werden können, „dafür müssen und werden wir ganz praktische Lösungen“. So sei auch die Vermittlung einer professionellen Sexualassistentin denkbar, „das sind tatsächlich Fragen, die wir zukünftig klären müssen“.

Die Surrogatpartnerschaft bewegt sich bei Menschen mit geistiger Behinderung in einer juristischen Grauzone. Offenbar braucht es viel Augenmaß um adäquat zu agieren.

Aus einem Taz-Artikel über das Institut zur Selbst-Bestimmung Behinderter ISBB

Manuela Schmidt von den Samariteranstalten in Fürstenwalde beschreibt einen Fall aus der von ihr betreuten Wohngruppe, bei dem eine junge, geistig behinderte Frau von einem Mitbewohner vergewaltigt wurde. Infolge der Tat bekam der Täter eine psychologische Einzelfallhilfe von zwei Jahren bewilligt. Erst durch die täglichen Gespräche mit einer Sexualpädagogin lernte er, seinem Wunsch nach Geschlechtsverkehr Ausdruck zu verleihen.

Der Dokumentar-Film „Die Heide ruft“, der das Thema behandelt:

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Interview mit Sexualpädagogin Nina de Vries

Mangelnde Aufklärung und sexuelle Frust sind gefährlich für Verwandte und Pflegende. Der Bereich ist wichtig. Wie ich immer sage: der Trieb ist da und fordert den Umgang, überall.

Einheitlicher Umgang mit Sexualität gefordert – Tagung „Sexualität und Heimerziehung“ zieht Bilanz

„Entwicklungsphasen von Kindern und Jugendlichen verlaufen nicht nach den sturen Altersschritten, die das Gesetz vorgibt“, bringt Prof. Dr. Klaus Wolf, Leiter der Forschungsgruppe Heimerziehung an der Universität Siegen, die Diskrepanz zwischen Recht und Realität auf den Punkt.

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Eine umfangreichere Behandlung des Themas Sex und Partnerschaft mit Handicap findet man bei Raul, es finden sich viele Links zu Projekten und anderen Blogs:

10 Missverständnisse über Sex und Behinderung

 

 

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