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Standartfolklore

Harald Lesch hat, wenn er etwas erklären wollte öfter die Wortschöpfung Standartfolklore verwendet,  gemeint war, dass dies der wissenschaftliche Standard ist, weil er belegt bewiesen oder bis auf Weiteres als nicht falsch, falsifiziert wurde und damit zur Normannahme geworden ist. Zum Beispiel der Lebenszyklus von Sonnen und wie diese Elemente produzieren oder die Stofftabelle, die in jeder Ecke des Universums Gültigkeit hat.

Diese Standartfolklore gibt es auch in der Psychologie und es gibt jemanden der Vorträge hält und diese weitestgehend gesicherte Erkenntnisse vermittelt, der zu Recht umstrittene Robert Betz. Als Atheist und Humanist habe ich sehr wenig übrig für den spirituellen und religiösen Teil seines Programms, dass mit zunehmenden Veröffentlichungen und Auftritten nicht wirklich Neues zu bieten hat, was absolut logisch ist, wenn man einmal die Erkenntnis getroffen hat das viele Prägungen in der Kindheit und Jugend passieren, gibt es daran nicht mehr viel auszuführen, außer wie man mit diesen, so sie einen denn belasten, umgehen kann. Eine Standartperspektive für jemanden der sich verantwortlich also schuldig fühlt, ist der Satz: „Du hast es so gut gemacht, wie du konntest“. Grundbedürfnisse, wie geliebt und geachtet werden wollen, akzeptiert werden wollen, die immer dann, wenn sie nicht gewährleistet sind zu Problemen führen. Das sich Aggression nach außen oder nach innen richten kann, das Gefühle da sind um anerkannt und gefühlt zu werden – solche Standartfolklore vermittelt Betz.

Für die Vermittlung der groben Grundstruktur der Psychologie, für einen Einstieg, eignen sich seine frühen Programme bzw. CD`s. Wie stark man den mentalen Aspekt, dann wirklich bewertet, also ob der Placeboeffekt, den es ja gibt, nun ausreicht um Krebs zu heilen, naja da wird es dann wirklich sehr böse, unseriös und schädlich. Auf der anderen Seite schadet Hoffnung, Zuversicht also ne positive Grundhaltung auch während einer Chemo nicht und das ist viel mehr der Punkt.

Alles was am Ende auf den Glauben hinaus läuft, auf dieses spirituell Angehauchte ist ein wenig eklig, natürlich stimmen Sätze wie: „Wir formen durch unsere positiven oder negativen Gedanken, die Welt in der wir leben“ aber was nun daraus folgt ist eigentlich eine individuelle Sache, ähnlich wie Prägung durch Entwicklung und einmal angelegte Gedanken- und Erkenntnisstrukturen, deren Veränderung sich nicht durch einen Vortrag bewirkt. Trotzdem empfehle ich, sich wenigstens mal einen Vortrag von ihm zu geben.

Was sicherlich seriöser ist und in kleinen, wohl dosierten Häppchen daher kommt, sind die Folgen der Sendung Geist und Gehirn.

Ich hab die Psychologie und Psychotherapie früher immer für suspekt gehalten, wie kann jemand behaupten er beherrsche eine Wissenschaft die meine einzigartigen Erlebnisse und Erfahrungen, meinem historisch so noch nie verlaufenen Lebensweg begreifen und in Folge beeinflussen kann oder auch nur zutreffend bewerten. Ich empfand das immer als anmaßend, etwas so komplexes vielschichtiges wie einen Lebensweg, der ein Individuum formte, welches durch seine Gene ja schon einzigartig ist, nicht nur, kategorisieren und typisieren zu können also irgendwie zielführend zu bewerten sondern auch zu beeinflussen. Klar diese Hilfe zur Selbsthilfe funktioniert nur mit Willen, Kooperation und Offenheit. Ist man offen und ehrlich zu sich, erkennt was einen prägte und ausmacht und woher die vielleicht ungewollten Gefühle, Gedanken und in Folge Verhaltensweisen kommen, kann man was ändern.

Der Unterschied zum großen Feld der Psychologie und der zur Psychotherapie ist der Mangel, das Leid, die Probleme, die negativen oder schlechten Dinge, die man loswerden oder beseitigen möchte. Würden wir alle unterschiedlich funktionieren, wie Autisten und nicht empathische Psychopathen, also wären diese Gruppen größer, dann wäre die Psychologie unmöglich aus Mangel an der Norm aber es gibt so etwas, wie einen Standard des Erlebens, der Emotionen und der Gefühle. So banal diese Erkenntnis ist so weitreichend ist sie.

Ich beweise das mal anhand eines Beispiels: Fast egal welchen Alters, Geschlecht, Sozialisation bzw. Herkunft die Beobachter sind, alle werden die Situation in der eine erwachsene Person, einem Kind, eine Ohrfeige gibt – als negativ bewerten.

Bei genauerem Nachfragen wird der ältere Mann der diese Situation beobachtet vielleicht ausführen, dass eine Ohrfeige ihm früher auch nicht geschadet hat und das nicht die erwachsene Person Verursacher, der als negativ bewerteten Situation ist, sondern das Kind, was aber bleibt ist, die durch ihn, als negativ bewertete Situation.

Ich wills mal anders formulieren, wir können alle unterscheiden ob wir etwas gut oder schlecht finden ob sich etwas gut oder schlecht anfühlt. Mehr Basis für eine Wissenschaft, die sich Psychologie nennt, braucht es erst mal nicht.

Nach Betz habe ich dann auf eine Empfehlung hin, ein Buch von Alice Miller gelesen. So faszinierend die Ausführungen und Erklärungen sind, so sehr keimte der Gedanke auf, dass wohl keine Frau mehr Mutter werden will, wenn sie sich vergegenwärtigt, wie viel sie falsch machen kann. Am Besten mal die Rezensionen überfliegen und urteilen ob es etwas ist, was zu lesen lohnt. Weiter könnte man dann zu dem Buch: „Grundformen der Angst: Eine tiefenpsychologische Studie“ springen. 

Gedankensprung zum Himmel, Paradies und Meditation

Nehmen wir jetzt das Paradies und den Himmel, der uns Freiheit von allem Negativen verspricht: ewige Glückseligkeit während eines Orgasmus, bei herzhaftem tiefen Lachen über einen wirklich guten Witz und dies unendlich fortwährend andauernd, in Ewigkeit. Das Problem bei dieser Annahme, des ewigen guten Glücks ist, das dies nur durch Differenzerkennung funktioniert. Um zu erleben oder etwas als gut zu begreifen und zu fühlen, muss die Kenntnis von der Abwesenheit dessen existieren, es muss Bewertung stattfinden, mit jedem zeitlichen Ablauf gibt es Differenz und etwas kann als Besser oder „anders“ bewertet werden. Eine fortwährende Steigerung des Perfekten gibt es nicht, weil es das dann nicht war. Somit funktioniert dieses Paradieskonzept nicht.

Der Buddhismus oder viel mehr die Meditation, trägt diesem Umstand Rechnung indem versucht wird, alle Bewertung, alle Emotion, jedes Ort und Zeitgefühl, alle externen Sinneswahrnehmungen auszuschalten. Die Paradiesbeschreibung als die Perfektion durch das Ausschalten aller Bewertung und Erkenntnis, in Einförmigkeit und Gleichheit ist tatsächlich der zeitlose wertfreie Tod.

Beruhigend und erschreckend, wir funktionieren alle relativ ähnlich und so krasse einzigartige Schneeflocken sind wir dann doch nicht. Im Normfall sind uns alle die Emotionen wie Scharm, Schuld, Angst, Frustration, Wut, Aggression usw. zugänglich. Mehr noch durch Empathie und Spiegelneuronen können wir dies bei anderen erkennen und mitfühlen.

Diese Gleichheit, der Menschlichkeit hat logische Folgen. Wie die, dass Moral auch ohne Religion existiert und dies z.B. durch Kant dargelegt wurde und zwar mit so spannenden Fragen wie, ist es okay die Organe eines gesunden Unbeteiligten, der im Wartebereich des Krankenhauses sitzt, zu verwenden um Fünf anderen, Sterbenskranken durch seine Organe zum Überleben zu verhelfen? Ohne Religion und bestimmte Sozialisation wird die Mehrheit der Befragten es ablehnen, den Unbeteiligten aus dem Wartezimmer zu verwenden also Ein Leben für Fünf zu opfern. Das Alien, der außerirdische Bobachter würde sagen, ja das geht klar mathematisch evident, Fünf Leben für Einen, das geht. Der Mensch hat von sich aus ein Gewissen und einen moralischen Kompass, ohne Religion ohne Hexerei, es ist in ihm angelegt.

Hin zur Gruppe und dem starken Einfluss dieser

Wir sind biologische Wesen, die sich evolutionär durchgesetzt haben. Wir haben keine scharfen Krallen, sind nicht besonders schnell oder groß gewachsen, haben keine Adleraugen oder besondere Tarnungsfähigkeiten. Was wir  gut können und unser Überleben sicherte, ist die Organisation in Gruppen. Eine Gruppe die an etwas glaubt leistet effizienter, gemeinsames Ziel, gemeinsame Werte, gemeinsamer Feind, Rollen und Aufgabenverteilung nach Fähigkeiten hilft ungemein dem Überleben. Zu wissen, wie es dem anderen geht, was er wohl fühlt, ob er mir freundlich oder feindlich gesinnt ist, wie im Groben so seine Absichten sind, gehört zu den Fähigkeiten die wir alle haben. Wir können also Mitfühlen, weil wir es brauchen, wir können Gerechtigkeitsurteile fällen, weil das unser Überlebensfähigkeit steigert, die Beute soll und muss sozial also gerecht verteilt werden, um das Überleben aller zu sichern.

Das Milgram-Experiment zeigte dann, wie stark der Einflussfaktor von Autoritäten und von Gruppenzwängen ist, von Bindungen und zugewiesenen Rollen generell. Die Urteile ob ein Tod gerecht ist und man den Mann im Krankenhaus opfern sollte, der Mörder des eignen Sohnes hingerichtet werden sollte, variiert natürlich ab dem Zeitpunkt an dem man involviert, beteiligt oder betroffen ist. Gruppenkonformes Handeln schlägt jede externe Moral, Beziehung ist stärker als Ratio. Die PeerGroup also jene Gruppe die mein oder unser Überleben sichert ist wichtiger als externe Moral oder Ansichten, Meinungen der Außenstehenden. Eine übergestülpte oder externe Moral funktioniert selten. So kann man zumindest im Ansatz Gruppierungen, wie die RAF oder Sekten, von mir aus auch Nazis, verstehen.

Heute finden sich virtuelle Gruppen oder Menschen zusammen, die nur von einem Gefühl geleitet werden, wie zum Beispiel das es ungewohnt ist, eine weibliche Stimme ein EM-Spiel kommentieren zu hören. Für jede verquere Ansicht findet sich eine virtuelle Gruppe oder ein Zusammenschluss der sich darin bestärkt, wie zum Beispiel der Glaube das Reptiloiden die Menschheit längst unterwandert haben, wobei ich mir sicher bin, diese Idee ist von Dr. Who geklaut.

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