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Utopische Betäubungsmittelpolitik

Manchmal möchte man es sich einfach machen. Warum noch über die Legalisierung von Marihuana streiten, einfach alle Substanzen freigeben. Die Preise verfallen, die Drogen werden sauber, die Beschaffungskriminalität endet, die Gewinne der Drogenbanden werden legal und versteuert. Drogenkriege werden beendet. Die Finanzierung, mit den Gewinnen aus dem Drogenhandel, von anderen Kriegen ebenfalls. Die Pharmafirmen werden Rauschprodukte auf den Markt bringen und mit den wenigsten Nebenwirkungen werben, Apotheker werden zu Beratern, welche Art Rausch man wünscht und welches Produkt den geringsten Schaden und Abhängigkeit bedeutet. Man führt das Ampelsystem auf den Rauschmitteln ein, was die Lebensmittellobby seit einem Jahrzehnt bei den Nahrungsmitteln erfolgreich verhindert. Da Deutschland das einzige Land mit dieser Art liberalen Gesetzgebung ist, wird es zum globalen Exporteur für all diese Wirkmittel. Deutschland wird bekannt für die Möglichkeit jede Substanz zu erwerben und das auch noch rein und korrekt dosiert, zu Preisen die so fair sind, so einfach, wie Mohn oder Hanf anzubauen, zu kultivieren sind.

Es gab in Hamburg doch mal das Studien-Projekt, Heroin an Abhängige auszugeben und nicht Methadon. Alle die teilnahmen konnten sich wieder um ihren Alltag kümmern und mussten sich nicht mit der Beschaffung und den Folgen, wie der meist kriminellen Geldorganisation herumschlagen. Einige fanden wieder einen Job, eine Wohnung und zurück in einen geregelten Alltag. Eine Substanz die verfügbar ist und fast umsonst zu haben stellt sozial kein Problem mehr dar. Wer ist denn so blöd noch Heroin zu nehmen, wenn es Substanzen gibt die weit weniger Abhängig machen und unproblematischere kognitive Hirnstoffwechselfolgen?

Das Graffitireinigungsmittel, GBL tötet einen, wie jedes andere Reinigungsmittel was unter der Spüle steht, wer ist so blöd und trinkt das? Wenn er nicht einer die 10.000 ist, die jedes Jahr in Deutschland, Suizid begehen. Eine erschreckend hohe Zahl für eine Wohlstandsgesellschaft, über die man mal qualifiziert reden sollte.

Die nächste Produktgruppe die Pharmafirmen etablieren werden, sind leistungssteigernde Pillen die man zum Lernen oder vor Prüfungen nehmen kann. Neben Olympia und den Paralympics werden sich die Chemolympics etablieren, für die Sportler die Substanzen einnehmen. Welche das sind können sie dann hinten auf dem Trikot tragen.

Alkohol ist eine wirklich miese Droge niemand sollte die missbrauchen oder Alkohol gebrauchen, fragt mal Polizisten, wie viele Einsätze die haben wo einer der Beteiligten Alkohol konsumiert hat vom Straßenverkehr über Streitereien, lauter Musik oder Übergriffe, die gesellschaftlichen Kosten nur für diese Substanz, deren Missbrauch als Krankheit definiert ist, sind viel höher als man so annimmt.

Es ist eigentlich unklug und auf lange Sicht nicht hilfreich, bewusstseinsverändernde Stoffe zu sich zu nehmen. Streng genommen sollte man ein Rauscherlebnis nur denen zugestehen, die sonst gesund sind mental und durch ihre Alltagsführung und eben alt genug, da selbst Marihuana bei Gehirnen unter 25 und bei einem regelmäßigen Konsum Folgeschäden bedeutet, wie Depression. Bei einer Drogentherapie wird nach der Abstinenz, die eigentliche meist psychosoziale und psychologische Ursache behandelt, die zu einem Dorgenmissbrauch geführt hat. Die Faustregel hinter dem Dorgenmissbrauch steht immer ein Problem, gilt dafür.

Neben dem Alkohol gibt es Tausende Medikamenten-Abhängige auch ohne meinen utopischen Vorschlag.

Pro Jahr werden von der Bundesopiumstelle rund 13 Millionen Betäubungsmittelrezepte ausgegeben.

Warum sind die Dinge heute, wie sie sind? Auch Kaffee war mal illegal, Ärzte rauchten und warum haben wir eine Bundesopiumstelle? Ich zitiere mal für den historischen Kontext:

Die maßgebliche Konferenz dazu fand 1911/12 in Den Haag statt. Zunächst wurde ein Abkommen formuliert, das in der Folge von allen beteiligten Staaten unterzeichnet werden sollte. Einige Länder, darunter auch das Deutsche Reich, hatten durch den uneingeschränkten Opiumhandel jedoch große wirtschaftliche Vorteile. Ihr Interesse an einer Regulierung des Opiumverkehrs war dementsprechend gering, so dass das Abkommen zunächst nur von wenigen Ländern unterzeichnet wurde. Das Deutsche Reich wurde mit dem Versailler Vertrag verpflichtet das Abkommen zu ratifizieren und tat dies 1920. Im selben Jahr wurde ein Gesetz zur Umsetzung des Abkommens erlassen. Danach fand eine viel stärkere Kontrolle des Verkehrs mit Betäubungsmitteln durch die Opiumverteilstelle im Reichgesundheitsamt statt, die 1924 durch die neu gegründete Opiumabteilung abgelöst wurde.

Aus dieser Opiumabteilung ging 1952 die Bundesopiumstelle hervor. In der Bundesopiumstelle des BfArM arbeiten rund 50 Beschäftigte, darunter Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte, bzw. -fachangestellte.

Stand heute ist also es gibt kein Recht auf Rausch, kognitiv schädliche Substanzen mit Suchtpotenzial werden kontrolliert und reguliert, eben auch um ungeborenes Leben zu schützen, Jugendliche und Erwachsene die beim einmaligen Konsum, bestimmter Substanzen, sofort negative Nebeneffekte erwarten können, wie Abhängigkeit oder körperliche Schäden. Pispers zu Alkohol und Marihuana.

Krankheiten und Leiden, Schmerzen beheben durch Medikamente, vor allem in der Palliativmedizin, die durch klinische Studien durch sind und auf Neben-, Folge und Wechselwirkungen hin überprüft wurden, gibt es. Alleine für die Leistungssteigerung und den Rausch verweigert man das Testen von Substanzen und deren Klassifizierung als hilfreiches Rauschmittel. Alles ist Gift es kommt nur auf die Dosis an.

Um die Funktionen des Gehirns besser zu verstehen wird in einigen Labors immer noch LSD verabreicht, nur eben dosiert und kontrolliert.

Für die Studie nahmen 15 Probanden unter Aufsicht LSD und wurden dann im Magnetresonanz-Tomographen untersucht.

Es bleiben die lokalen und globalen Probleme des Drogenhandels und der Gewinne. Es braucht etwas gegen den Schwarzmarkt und die Kriminalisierung der Endverbraucher, es braucht deren Schutz gegen verunreinigte Ware und genug Wege raus aus dem Konsum und der Sucht. Jeder Konsument der abhängig ist und sei es nur vom Nikotin, weiß um die Schädlichkeit seines Handelns und die negativen Folgen die er erlebt. Jeder Abhängige weiß um seine Situation.

Portugal hat eine ganz eigene Geschichte, bei dem Kampf gegen die Drogen nur verlief diese weit positiver als die mexikanische Geschichte. Ein Grund dafür ist der legale Konsum aller Drogen.

So bleibt festzustellen, dass die portugiesische Reform den verelendeten Heroingebrauchern am meisten geholfen hat. Deren drogenbedingte Todesfälle gingen in Portugal signifikant zurück. Die zweite Erkenntnis: Der Begriff der „Entkriminalisierung“ muss kein politisches Schreckgespenst sein, sondern könnte zukünftig eine Palette von Möglichkeiten beinhalten, wie rechtlich und kulturell mit den Gebrauchern und Genießern von illegalen Drogen umgegangen wird. Dafür allerdings müssten die politischen Akteure überhaupt den Gestaltungs- und die Wissenschaft den Forschungswillen aufbringen. Es wundert doch sehr, dass niemand sich aufmacht heraus zu kriegen, wie die Effekte einer Entkriminalisierung sauber zu messen sind.

Einfach alles auf allen Ebenen Legalisieren und Entkriminalisieren, dem freien unreguliertem Markt unterwerfen, ist keine gute Lösung, es braucht Prüfung und Bewertung der Rauschprodukte, es braucht die Dosierung, Betreuung und Beratung, es braucht die Überwachung und die Verbote, nach Studien, der Rauschpillen deren Nebenwirkungen zu krass sind. Das alles eben nicht erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist und wir Sucht Erkranke haben.

Das Thema ist zu groß und umfangreich um es abschließend zu bewerten aber es streift die Fragen nach dem Zusammenleben und dem Glück, der Zufriedenheit.

/edit

https://podcast.piqd.de/2016/11/11/piqd009-warum-sind-drogen-illegal/

http://www.deutschlandfunk.de/drogenpolitik-portugals-liberaler-weg.724.de.html?dram:article_id=351555

Hätte ja niemand erahnen können, dass sich Sozialarbeit in Form von Helfen und Kümmern um Menschen also die Schwachen und Kranken der Gesellschaft, sich positiv auszahlt.

Tiefer und weitergehend mit Frank, Fefe und Gast

In der Sendung geht es um Drogen / Rauschgift. Wegen der Fülle des interessanten Materials haben wir uns auf die kulturhistorischen Aspekte von Opium und Kokain beschränkt.


Wie die Alkoholindustrie uns dazu bringt, immer weiter zu trinken

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