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Viren gegen Bakterien Phagen als Rettung

Gestern Abend liefen zwei sehenswerte Dokumentationen in der ARD. Einmal „Im Land der Lügen – Wie uns Politik und Wirtschaft mit Zahlen manipulieren“, in der im Grunde die Behauptungen nochmal aufgegriffen und bestätigt werden die Volker Pispers seit 10 Jahren auf der Bühne erzählt, was es nicht minder interessant macht und „Akte D – Die Macht der Pharmaindustrie (1)“

In der zweiten Dokumentation wird der Erfolg der Antibiotika wie Penicillin erwähnt. Jeder kennt das Problem der Resistenzen, Bakterien werden immun gegen bestimmte Präparate, die Massentierhaltung in der Antibiotika teilweise vorbeugend verabreicht werden fördern die Unwirksamkeit ebenso, wie die Verschreibungsfreude einiger Ärzte.

Kampf den Keimen Teil 2

Rund 900 Tonnen Antibiotika wurden im Jahr 2010 in deutschen Tierställen eingesetzt. Das ist eine Angabe, die der Bundesverband für Tiergesundheit gemacht hat, also jene Organisation, welche die Hersteller von Tierarzneimitteln in Deutschland vertritt.

Das führt dann zu MRSA in Krankenhäusern und Altenheimen. Die resistenten Bakterien können bis zu Amputationen führen.

In der Zeit des kalten Krieges hatte die Sowjetunion nicht die selben Ressourcen und in Ländern wie Polen gab es keine Antibiotika. Man half sich mit Bakteriophagen, Viren die bestimmte Sorten von Bakterien infiltrieren übernehmen und abtöten um dann selbst zu verschwinden.

https://www.dsmz.de/de/start/aktuelles/phagen-infoseite.html

Adressen von Phagenspezialisten in Polen oder Georgien, finden Sie auf der Kontakte-Seite. In diesen Ländern ist die Phagentherapie im Unterschied zu Deutschland etabliert und hat eine lange Tradition

Die Zeit nach den Antibiotika wird die Zeit der Viren die für uns zielgerichtet eine bestimmte Bakterienkolonie abtöten.

„Um die spezifischen Phagen für E-coli zu finden, arbeitet Sophie Kittler mit der ´Deutschen Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen´ in Braunschweig zusammen.“

Dort befindet sich seit Langem Deutschlands größte Phagen-Sammlung. Über 500 Stämme lagern in kleinen Röhrchen bei minus 196 Grad in großen Stickstofftanks. Da Phagen aufgrund der zunehmenden Antibiotikaresistenzen zur Infektionsbekämpfung wieder gefragt sind, sammelt Mikrobiologin Christine Rohde bis zu 200 neue Stämme im Jahr. In Kläranlagen, Tümpeln und Teichen wird sie fündig. Überall dort, wo viele Wirtsbakterien leben.

„Für E-coli-Keime sind wir sehr gut ausgestattet. Wir haben schon mindestens 50 Phagen und können jeden Tag neue finden. Das ist sehr schön machbar. Die werden wir dann selektieren und Phagen-Cocktails herstellen.“

Noch steckt die Suche im Stadium der Grundlagenforschung. Spannend wird es bei den Zulassungsverfahren um die Viren als sichere Therapie verwenden zu können. Es gibt für diese Art Biokampfmittel noch keine genormte Zulassung.

Als nächstes untersuchen die Forscher die Sicherheit der Phagen.

„Derart, dass Phagen letztlich auch das Potenzial haben können, sich in das Genom der Bakterien zu integrieren, das ist die unschöne Seite der Phagen, denn viele Virulenzfaktoren werden gerade eben durch diese Phagen auch auf Bakterien übertragen. Und deshalb müssen wir auf jeden Fall das Genom komplett sequenzieren, dass eben keine solchen Virulenzgene enthalten sind, auch keine Antibiotikaresistenzgene enthalten sind, und vor allen Dingen keine Gene, die darauf hindeuten, dass dieser Phage in das Genom integrieren kann.“

Anstatt einer Vernichtung könnte es halt auch eine Kooperation der Viren geben in der Art, dass sich das Bakterium an der neuen Gensequenz erfreut die das Virus mit einbringt. So wie auch sonst Resistenzen entstehen.

Es kann zeitliche und örtliche Unterschiede bei der Wirksamkeit geben. Je nachdem, wie gut die Phagen, die vielleicht bald selbst im Labor zusammengebaut werden können, sind stellen sie ein Konkurrenzprodukt für die starke Pharmalobby dar. Sollten die zu krasse Einbrüche bei den Antibiotikaverkäufen feststellen könnten sie die Phagentherapie durch Lobbyarbeit verhindern. Aber das ist eher eine Verschwörungstheorie von mir:

Manuskript: Kampf den Keimen 1

Seit dem Jahr 2000 sind meines Wissens drei neue Antibiotika zugelassen worden, die aber bei weitem die Resistenzentwicklung, die wir sehen, nicht kompensieren können.“

Für diesen Mangel an innovativen Medikamenten sieht Hans-Georg Sahl verschiedene Gründe. Zum einen gibt sich die Pharmaindustrie zurückhaltend, nachdem sie gegen Ende der 1980er-Jahre durch eine Reihe von Fehlschlägen einen hohen Betrag an Forschungsgeldern in den Sand gesetzt hatte. Außerdem seien Antibiotika per se kein attraktives Geschäftsfeld.

„Im Gegensatz zu vielen anderen Medikamenten, die Symptome kurieren, heilen Antibiotika wirklich. Das heißt, sie werden nur kurz eingesetzt und sie werden hoffentlich möglichst selten eingesetzt, und sind deshalb bei weitem nicht so ökonomisch reizvoll wie zum Beispiel ein Medikament, das ein chronisch neurodegenerativ erkrankter Patient zum Beispiel haben muss. Das heißt, rein ökonomisch gesehen ist die Entwicklung eines Medikaments im Bereich Demenzerkrankungen lukrativer.“

 

Neue Mittel gegen resistente Keime

Bei der Vorstellung eines CDC-Reports über Antibiotikaresistenzen warnte Frieden, dass die Menschheit kurz davor stehe, in die postantibiotische Ära einzutreten. Was das konkret heißt, zeigt zum Beispiel der Fall von Mariana Bridi da Costa. Das brasilianische Model starb an einem Multiorganversagen, als sich in ihrem Körper – in Folge eines Harnwegsinfekts – resistente Bakterien ausbreiteten.

Phagenlinks

http://www.scilogs.de/fischblog/antibiotika-alternativen-teil-i-phagentherapie/


Sound zum Eintrag: House of the Rising Sun

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